Eine wunderbare Geschichte, wie Wirtschaft sein kann

In ihrem Buch Soviel du brauchst. Sieben Sachen zum besseren Leben erzählt die deutsche Autorin Susanne Niemeyer eine wunderbare Geschichte, wie Wirtschaft auch funktionieren kann. Sie heisst:

Bitte um etwas

Du brauchst keine Hilfe. Zu deinem geheimen Ehrenkodex gehört, dass du die Dinge allein schaffst. Auch wenn dir die Arbeit bis zum Hals steht. Bitte sagen ist für Weicheier. Dann gibts eben eine Nachtschicht.

Du kennst sie, die Leute, die alles nehmen. Den kleinen Finger und die ganze Hand. Die stets einen kleinen Gefallen haben, den du erfüllen kannst. Auf keinen Fall willst du zu denen gehören.

Wer nichts annimmt, bleibt auch nichts schuldig.

Du hast es gehasst, wenn es hiess: Sag schön bitte. Heute kannst du dir deine Schokolade selber kaufen und den Rest auch. Deinen Kleiderschrank baust du allein zusammen, auch wenn er dreimal einstürzt. Wenn deine Eier alle sind, dann muss es eben ohne gehen.

Und wenn die Grippe dich in Schach hält, dann hältst du mit wütendem Blick stand, anstatt jemanden um ein Schälchen Hühnersuppe zu bitten.

Ach du. Musst du immer ein Held sein?
Hast du denn deine Kinderbücher vergessen?
Richtig toll werden die Dinge, die gemeinsam entstehen.

Biene

Mit freundlicher Genehmigung der Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Breisgau.

Der Bär fragt den Vogel: »Kannst du mir ein bisschen Honig besorgen? Die Wabe hängt so hoch.«

»Klar. Es muss nur jemand die Bienen ablenken«, antwortet der Vogel und fliegt zur Blume. »Kannst du ein bisschen duften und die Bienen anlocken?«

»Klar. Es muss nur jemand das Pferd füttern, damit es mich nicht frisst. Es hat auch eine gute Nase«, antwortet die Blume und ruft den kleinen Jungen. »Kannst du das Pferd ablenken, dass es mich nicht frisst?«

»Klar. Ich brauche nur eine Möhre«, antwortet der Junge und fragt die Maus. »Kannst du mir eine Mohrrübe ausbuddeln?«

»Klar. Ich brauche nur jemanden, der die Katze im Auge behält, dass sie nicht nach mir schnappt«, antwortet die Maus und hoppelt zum Bären. »Könntest du die Katze in Schach halten?«

»Klar«, antwortet der Bär. »Ich warte sowieso auf meinen Honig.«

Und der Bär setzt sich unter den Apfelbaum, so dass die Maus eine Möhre ausgraben kann, und der Junge das Pferd füttert, und das Pferd die Blume verschont, und die Blume die Bienen anlockt, und die Bienen sich die Fühler putzen und den Nektar schlecken, und der Vogel ein bisschen Honig klaut, und der Bär sich am Ende genüsslich seinen Bauch reibt.

Und alle haben einen sehr vergnüglichen Nachmittag.